Kunstwerke vor Augen und Musik in den Ohren

Die 15. Ausgabe des Konzertevents der Brass Band Rickenbach ist bereits wieder Geschichte. Der Anlass unter dem Motto „Brass & Pictures“ erfreute sich grosser Beliebtheit: Die Brass Band Rickenbach und Moderator Oliver Kuhn durften sich am vergangenen Wochenende über einen voll besetzten KUBUS freuen. Gemeinsam mit den Künstlern Corinne Sutter, Andreas Weber und Urs Rudin brachten sie das bildgewaltige Spektakel erfolgreich zur Aufführung.

 

(mla) Die Halle ist voll und es herrscht gute Stimmung; vereinzelte Musikanten sind zu sehen, wie sie Freunde und Bekannte begrüssen, man isst und trinkt, farbiges Licht an der Decke des KUBUS stimmt bereits auf die bevorstehende Show ein.

„Lionheart“ heisst das Stück, mit dem die Brass Band Rickenbach schliesslich „Brass & Pictures“ eröffnet, aus der Feder des Engländers Philip Harper, ein fulminanter Auftakt zu einem eindrucksvollen Abend.

Während die Brass Band Rickenbach „Vitae Aeternum“ (Paul Lovatt-Cooper), zu deutsch „ewiges Leben“ zum Besten gibt, entstehen und verschwinden auf der Leinwand hinter der Band Gesichter, Instrumente, Jahreszahlen und vieles mehr: Andreas Weber, bekannt für seine „Sounddrawings“ zeichnet die Geschichte der Brass Band Rickenbach nach. Die Reise geht von der Gründung im Jahre 1891 zur Neuuniformierung (1991) bis heute, wo nicht selten auch bekannte Namen und Portraits auftauchen – Ehrenpräsident Max Galliker und der ehemalige Dirigent Corsin Tuor beispielsweise sind jedenfalls deutlich erkennbar. Wie der Titel des Stücks passt, so auch der Charakter des Stücks, das irgendwo zwischen nostalgisch und majestätisch hin- und her wechselnd nicht besser hätte ausgewählt werden können.

Marcel Peeter hat „Car“ komponiert, das als nächstes auf dem Programm steht. Das Stück besteht aus vier Sätzen, wovon jeder einem bestimmten Automodell gewidmet ist: „Ford 1926“, „MG 1963“, „VW“ und „Chevy 1952“ heissen sie, und im Hintergrund laufen schwarz-weisse Filmsequenzen, abgestimmt auf die von Dirigent Enrico Calzaferri arrangierte Musik.

Der Höhepunkt vor der Pause ist eindeutig der Auftritt von Corinne Sutter. Der bekannte Filmmusikkomponist James Horner hat auch zum Film „Titanic“ seine Musik beigesteuert, und während die bekannte Melodie erklingt, entsteht auf der Leinwand neben der Bühne in ungeheurem Tempo ein Kunstwerk. „Speed Painterin“ – dieser Bezeichnung wird Sutter eindeutig gerecht. Mit rasanter Geschwindigkeit malt Sutter, im Takt der Musik, nimmt verschiedene Pinsel zur Hand, tritt zurück, um ihr Werk für einen Moment kritisch zu betrachten, und ist Momente später schon wieder bei der Arbeit. Als das Stück eine überraschende Wendung nimmt – plötzlich wird aus dem emotionalen, romantischen „Titanic“ nämlich das weltbekannte „We Are The Champions“ von Queen, dreht Sutter ihr Bild auf den Kopf – niemand hat bis zu dem Moment auch nur erahnen können, was am Schluss daraus werden würde – und Freddie Mercury, in schillernden Farben, singt voller Elan in sein Mikrophon.

Mit tosendem Applaus geht es anschliessend in die Pause – welche Corinne Sutter nutzt, um ihrem Kunstwerk noch den letzten Schliff zu geben – und dann geht es auch schon weiter: Nach „Norwegian Dance“ (Torstein Aagaard-Nilson), das die Zuschauer zusammen stimmungsvollen Bildern in den Norden entführt, hat Urs Rudin seinen grossen Auftritt. „Urs Rudin stammt aus Rümlingen, sein Sand aus der Sahara“, sagt Moderator Oliver Kuhn zum Künstler und fügt scherzhaft hinzu: „Der Sand hatte also etwas den weiteren Weg, dafür ist vielleicht sein Dialekt etwas angenehmer“ – denn Rümlingen liegt im Kanton Basel-Landschaft. Aber schliesslich malt Rudin ja, er redet nicht – und malen, das kann er hervorragend. Der Sandmaler lässt nicht nur in wenigen Minuten ganze Geschichten auf der Leinwand entstehen und wieder verschwinden – er hat auch die Musik dazu noch selbst geschrieben. Das Stück springt souverän zwischen allen möglichen Musikstilen hin und her und die Bilder, die Rudin dazu in den Sand malt, sind perfekt darauf abgestimmt – wer gut hinhört, kann auch die eine oder andere bekannte Melodie erkennen und die Brass Band Rickenbach beweist eindrücklich, dass sie sich in der ganzen breiten Palette von Musikstilen sicher bewegt.

 

 

Es folgt „Pomp and Circumstance 1-4” von Edward Elgar. Dazu läuft ein Zeichentrickfilm: Donald Duck bugsiert alle Tiere in die Arche Noah, und die Tiere hüpfen, fliegen und rennen so genau im Takt, als würden sie die Musik hören und sich danach richten können.

Das letzte (offizielle) Stück des Abends ist „Fantasia 2000: Pini Di Roma, Finale“ aus der Feder des Italieners Ottorino Respighi. Auf der Leinwand hinter der Band träumt ein junger Blauwal davon, fliegen zu können, und so erobern Blauwale in fantastischen Bildern für einmal nicht die Weltmeere, sondern den Himmel.

 

Mit zwei Zugaben wird schliesslich der grosse Schlussapplaus belohnt. Eine Musiknote erlebt eine wilde Schlittenfahrt, und erneut zeigt die Brass Band Rickenbach, wie präzise sie ihr Programm einstudiert haben – was immer auf der Leinwand passiert, wird von der Musik passend untermalt. Auch Corinne Sutter hat noch einmal einen Auftritt: Als Moderator Oliver Kuhn jedoch stolpert und sein Getränk auf dem Portrait landet, das Sutter gerade entstehen lässt, wird plötzlich etwas ganz anderes aus dem Kunstwerk. Instrumente sind zu sehen, der Taktstock des Dirigenten, in einer aussergewöhnlichen Zusammenstellung und in schillernden Farben. Beide von Sutters Werken, die an diesem Abend entstanden sind, kann man an einer sogenannten „stillen Auktion“ erwerben: Der Erlös geht, wie Oliver Kuhn es treffend beschreibt, „zur Hälfte an Corinne Sutters Nachwuchs und zur anderen Hälfte an den der Brass Band Rickenbach“.

 

Dirigent Enrico Calzaferri richtet schliesslich einige Worte an die Anwesenden, in erster Linie, um sich zu bedanken. „Es ist einfach genial, vor so vielen Leuten spielen zu dürfen – danke!“, sagt er zu den Gästen. Im Anschluss an das Konzert hat man nach wie vor die Möglichkeit, sich zu verpflegen, bedient von den eifrigen Mitgliedern der Brass Band Harmonie Rickenbach, und auch die Bar im Singsaal öffnet nach dem Konzert ihre Türen.

 

Mit „Brass & Pictures“ ist der Brass Band Rickenbach ein unterhaltsamer, abwechslungsreicher und kurzweiliger Abend gelungen. Sorgfältige Planung mit den Künstlern und sekundengenaue Abstimmung auf die Filmsequenzen haben sich eindeutig gelohnt und die Darbietungen der drei Künstler Weber, Sutter und Rudin waren sowohl für das Auge als auch für das Ohr ein einmaliges Erlebnis. Oliver Kuhn hat – sowohl informativ als auch mit einer gesunden Prise Humor – sicher durch das Programm geführt. „Brass & Pictures“ war ein Erfolg und man darf bestimmt auf weitere, fesselnde Ausgaben des Rickenbacher Konzertevents gespannt sein